Ein Schmetterling fliegt durchs Bild, ein paar Schafe blöken, hinter mir steht der Himbeerstrauch in voller Frucht. Ich sitze auf einer ausgedienten Hollywoodschaukel, verblasst, mit blau-grauen Korallen bestückt. Kamera läuft, bitte, höre ich es sagen, als die ersten Töne des Songs erklingen, zu dem ich möglichst hingebungsvoll mitsingen soll.

Und das ist nun das Ende, so denke ich, denn es ist Sonntagmittag, und ich weiß, dass wir in wenigen Stunden die Segel streichen und in das aufgeregte Berlin zurückfahren werden. Da wo der nächste Termin wartet und die Unruhe und der Alltag, die in den letzten beiden Tagen so weit weg waren.

Denkt nicht, ich erzähle Märchen, denn alles ist wahr, was ich schreibe. Diese Idylle existiert wirklich – in Altthymen, einem kleinen Kaff bei Fürstenberg an der Havel. Schon nach einer halben Stunde ist man angekommen. Der Stress ist ausgeschaltet, die Welt versöhnt. Hier ist man noch eins mit der Natur, mit den Tieren (Ungeziefer eingeschlossen). Für alle Notwendigkeiten gibt es Schröder und Frau Schmidt. Schröder ist der Haushund, scheinbar tollpatschig, interessiert und liebevoll – hält er Hornissen von den Menschen fern, ist treuer Begleiter, will Beschützer sein. Frau Schmidt, die Katze des Hauses, hält sich im Hintergrund, aber auf ihren Moment wartend, bringt sie sich in Position und schnurrt so ausgiebig, dass man sicher sein kann, der Kaffee wird gleich serviert. Und das ist immer noch immer der Anfang. Denn als uns später unsere Gastgeberin, Ilja, begrüßt, entschuldigt sie sich fast, dass sie es trotz ihres hohen Arbeitspensums noch nicht geschafft hat, den Streuselkuchen zu backen, den sie für uns machen wollte. Dafür werden wir belohnt mit einem eigens gekochten Essen. Es gibt Pasta und Gemüse-Soße und so viel Herzlichkeit, dass einem die Seele schon fast überlaufen möchte.

Nur an Schlaf mangelt es hier, denn wir haben uns viel vorgenommen. Samstag klingelt der Wecker schon um 5 Uhr morgens, um unsere Anfangs-Sequenz bei Sonnenaufgang auf dem naheliegenden Feld zu drehen à la Wes Anderson (ich glaube, es liegt auch an meinem Dress) – ich, in einem Irgendwo wie die Sonne über mir das Tageslicht erblickt. Wir sind natürlich viel zu früh da, denn Künstler brauchen Zeit und wollen für das beste Ergebnis auf Nummer sicher gehen. Ich gedulde mich also und laufe dann in mehr als Zeitlupe am Horizont entlang, um mit der Sonne Schritt zu halten.

Als wir diesen Teil geschafft haben, ist es wirklich Zeit für ein Frühstück. Das hat Ilja natürlich schon längst vorbereitet. Der Kaffee duftet frisch, die Brötchen sind gerade aufgebacken und mit vielen leckeren Belägen wird das Ensemble komplett. Wir kommen ein weiteres Mal an und lassen es uns gut gehen, verweilen. Versuchen nicht zu vergessen, dass wir noch viel vorhaben.

Die Arbeit kommt einer Reise gleich. In den vielen Etagen und Ecken des alten Gutshauses entdecken wir angestaubte Schätze und wunderliche Utensilien, die wir verwenden können, darauf aufmerksam gemacht, von unserer Gastgeberin, von unserer Neugier. So offenbart sich uns manches Geheimnis, das wir behutsam zutage fördern, in dem wir uns spiegeln bis sich alle Teile langsam zusammensetzen zu einer ganzen Geschichte…

Habe ich schon erwähnt, dass wir das Musikvideo zu dem Song vom neuen Album „Auf der Veranda“ drehen und dass wir – auch Jurij Tschabanow und Johanna Reimann sind – zwei junge, talentierte Filmschaffende, dazu sehr engagierte und einfach wunderbar offene Menschen, die Lust haben, sich auf dieses Abenteuer an diesem besonderen Ort einzulassen?!

Vor unserer Abfahrt entdecken den frisch gebackenen Streuselkuchen auf dem Küchentisch. Ilja musste schon wieder zur Arbeit. Ein Seufzer noch. Dann nehmen wir uns jeder ein Stück Seeligkeit mit auf den Weg in die Rastlosigkeit der Stadt, schon gespannt, euch bald die Geschichte in voller Länge zu erzählen.