Kennt ihr das? Ihr schreibt eine Anfrage, und es kommt keine Antwort. Also, am ersten, zweiten Tag, denke ich mir nichts weiter. Ab dem dritten frage ich mich, wo die Antwort bleibt. Gerade von Personen, bei denen ich gewohnt bin, dass sie zeitnah reagieren, beginnt dann der Moment der Verwunderung einzutreten. Nach einer Woche weiß ich in der Regel, dass das nicht klappt. Weil die Menschen keine Zeit, gerade andere Prioritäten haben oder diesen Dienst nicht mehr anbieten. Eine unausgesprochene Absage.

Manchmal sind es auch Dinge, die erledigt werden müssen und andere tun das nicht. Unterlagen für den Verein, die meine Vereinskollegin noch nicht eingereicht hat, obwohl sie mir das fest zugesagt hatte. Mir ist eigentlich danach, gar nicht zu reagieren. Aber die Dinge müssen nun mal erledigt werden. Also schlucke ich meinen Ärger runter, nehme mir Zeit, die Situation erneut zu erklären und anzustoßen.

Inzwischen habe ich nicht mehr so viel Widerstand. Ich hake nach. Auch wenn ich die Antwort in der Regel schon kenne. Und ich im Grunde weiter darauf angewiesen bin, dass andere ihrer Verantwortung nachkommen, wie bei dem Beispiel mit der Vereinskollegin. Aber das ebenso zu auszublenden, wie ich das bei anderen zum Teil erlebe, schaffe ich einfach nicht. Ich möchte weiter ein gutes Gefühl haben für mich und zukünftig offen gegenüber diesen Menschen sein. Ich möchte es für mich abschließen. Selbst wenn eine Antwort trotzdem ausbleiben kann.

Da ist so eine Situation aus meiner Schulzeit, die total einprägsam war. Mein Vater hatte in der Grundschule immer die Klassenfotos gemacht. Und ich nahm das Geld entgegen, dass die anderen Schülerinnen und Schüler für einen Abzug bezahlen sollten bzw. deren Eltern. Irgendwann fragte mich die Klassenlehrerin, ob ich schon von allen das Geld hätte. Als ich verneinte, sagte sie, es wäre meine Aufgabe bei meinen Mitschülern und Mitschülerinnen nachzufragen und zu bitten, endlich zu bezahlen.

Ich weiß noch, dass ich das damals schon nicht verstand. Warum sollte ich andere daran erinnern, dass sie etwas tun, was in ihrer Verantwortung liegt und auch in meinem Selbstverständnis ganz klar „geregelt“ ist? Das fühlte sich scheiße an und ich fand das ungerecht. Jetzt weiß ich: Meine Klassenlehrerin hat mich auf eine Realität vorbereitet, die mir der Lebensalltag immer wieder vorhält.

Schnell ist was dahingesagt, stelle ich auch in privaten Kontakten fest. Und damit hatte und habe ich immer wieder mein Aushalten. Verbunden mit der Frage, wie ich damit umgehe. Also, nee, eigentlich weiß ich, wie ich damit umgehe. Wenn nix kommt, frage ich nach. Wenn ich etwas in Aussicht stelle oder eine Zusage mache, oder eine Hilfe anbiete. Dann können sich andere darauf verlassen, dass ich mindestens Stellung dazu beziehe. Und ich habe diesbezüglich ein Gedächtnis wie ein Elefant. Auch wenn es längere Zeit dauern kann, vergesse ich sowas nicht. Deshalb fällt es mir schwer auszuhalten, wenn andere Versprechungen machen. Weil ich dann in eine Situation kommen kann, diese Menschen an ihre Versprechen zu erinnern.

Wertend könnte jemand einwerfen: Du musst den Leuten nicht hinterherrennen. Außerdem mache ich mich dadurch weniger interessant, wirke bedürftig und ganz und gar nahbar. Aber naja, ich muss mich wohl mit den Qualitäten arrangieren, die mich ausmachen. Und manchmal bin ich sogar ein bisschen stolz drauf.


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