Meine beste Freundin sagte mal zu mir: „Du hast eine unklare Energie.“ Daran denke ich ab und zu, an meine „unklare Energie“, die ich anscheinend in Bezug auf Männer und Paarbeziehungen ausstrahle.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich wieder intensiver mit dem Thema Liebe und ob und wann sie mich finden wird, oder mich gar bereits gefunden hat und einfach nur anders aussieht als die der meisten. Nachdem meine berufliche Richtung inzwischen geklärt ist, habe ich es schon auf mich zukommen sehen – quasi als letzte Bastion auf dem Weg zur inneren Ruhe und Kraft – The Big L!

Für mich ist es eines der am stärksten mit Erwartungen und Hoffnungen belegten Themen. Fest ist es ins Erwachsensein eingeschrieben: Partnerschaft, in Verbindung mit Familiengründung. Das ist nicht nur natürlich, sondern auch strukturell gewachsen und erwünscht, mit Blick auf das Abhängigkeitsverhältnis von Mann und Frau, und scheinbar pragmatisch, um sicherzustellen, dass der Nachwuchses umsorgt wird. Befeuert wird das Ganze von einer Idealvorstellung, die nun wirklich überall propagiert wird! Ob in Filmen, Büchern usw. geht es doch immer darum, dass zwei Menschen sich begehren und früher oder später zusammenkommen und oft in einer kurzen Vorschau mit der Bildunterschrift „2 years later“ werden sie dann lachend zu viert im Garten gezeigt. Ich liebe solche Filme! Auch meine Familie hat mir das vorgemacht – meine Eltern sind nach wie vor zusammen, meine Großeltern waren immer zusammen. Und so war ich sicher, dass mir das ebenso passieren wird.

Aber es ist mir nicht passiert. Oder ich habe es nicht passieren lassen. Nie habe ich mich innerlich frei genug gefühlt, selbst entscheiden zu können, mit wem ich, wie zusammensein möchte. Stattdessen habe ich oft einen starken Druck verspürt, und aus einem „ich muss“, „ich sollte“ heraus gehandelt. Ein Druck, der aus vermeintlichen Erwartungen anderer entstand. Zum Beispiel meiner Flirts und Bekanntschaften, die sich eine Beziehung wünschten, oder eine Beziehung ausschlossen. Oder meiner Freunde, die sich natürlich wünschen, dass ich „glücklich“ bin, am besten mit jemanden zusammenkommen sollte, der mich „verdient“, oder mich manchmal erinnert haben, dass ich mich mit dem Blick eine eigene Familie zu gründen, endlich entscheiden sollte, bevor es dafür zu spät wäre. Das korrespondierte selten mit meiner eigenen romantischen Vorstellung, die eher was filmisches hatte als etwas absichtsvolles, geplantes.

Oft habe ich dann geweint, aus einem ganz urigen Gefühl heraus, der Vorstellung von vermeintlichem Glück, nicht gerecht werden zu können. Manchmal weine ich immer noch deshalb, aber es wird besser. Eine schmerzhafte Erkenntnis, die gleichzeitig heilsam ist, holt mich ein: Gegen mich kann und möchte ich nicht arbeiten, aber vielleicht kann ich etwas gegen dieses Gefühl des ständigen Versagens tun. Ich spüre ja nach wie vor deutlich den Wunsch eine Liebesbeziehung einzugehen. Aber wohl so, wie es zu mir passt, das muss ich einsehen. Inzwischen bin ich bereit das anzunehmen, ebenso wie meinen Alltag als Single.

Eine andere Freundin sagte übrigens letztens zu mir. „Du hast halt einfach einen ganz speziellen Typ, deshalb dauert es bei dir länger. Mach dir keine Sorgen.“

Mein Song zum Thema: