Wie geht es weiter, wird heute wieder diskutiert: Welche neuen Maßnahmen werden bundesweit verordnet bezüglich einer Eindämmung von COVID-19. Ich versuche bei diesen Gedanken ganz ruhig zu bleiben, den Ärger über mögliche Konsequenzen schon vorwegzudenken, vorsorglich auszuschütteln oder abzulaufen in meinen täglichen Routinen.

Ich gehöre zu einer wachsenden Zahl von Menschen, die sich unter dem Begriff „Single-Haushalt“ sammeln lässt, und mich treffen Kontaktverbote und -einschränkungen besonders hart. Denn für mich ist das Alleineleben zwar die Entscheidung für eine Art Unabhängigkeit von anderen, aber nicht aus mangelndem Interesse an einem Miteinander und Zwischenmenschlichkeit. So treffe ich gern Familie und Freunde, bin durch meinen Beruf als Musikerin in Kontakt mit anderen, auf der Bühne, in Netzwerken und mit Neugier gehe durch die Stadt, beobachte Menschen, bin Teil eines geschäftigen Alltags. Und spüre in Zeiten, in denen die Notwendigkeit dessen unter die Lupe genommen wird: Es ist für mich lebenswichtig.

Ich erinnere mich noch gut an das Frühjahr und die ängstliche Stimmung, den starken Rückzug und wie schwer das für mich zu fassen, auszuhalten war. Und das war nicht mal das Schlimmste daran. Jedes Treffen fühlte sich wie ein kleines Vergehen an, jede Berührung eines Mitmenschen wie ein Zug am Joint in der Nähe einer Polizeistation, unabhängig von einer eigentlichen Gefährdung nach mehrwöchiger Quarantäne. „Wir halten zusammen – mit Abstand.“ Ein Satz, dem für mich bis heute jeglicher Sinn fehlt. Er ist einfach unlogisch. Eine emotionale Aussage mit einer rationalen in solcher Art ins Verhältnis zu stellen. Vielmehr tragen Sätze wie diese dazu bei Vereinzelung, Rückzug und gegenseitiges Misstrauen zu verstärken, in einer Gesellschaft, die ohnehin immer weiter auseinander driftet.

Und so sind die Gefühle sehr zwiespältig, die sich gerade in mir breit machen. Gut, dass es den Sommer gab, mit etwas Lockerung und Durchatmen, gemeinsame Zeit unter dem Radar der Achtsamkeit. Inzwischen gibt es weitere Erkenntnisse wie das Virus übertragen wird und wie nicht. Der Herbst ist eine Zeit, in der wir uns ohnehin stärker zurückziehen, gleichermaßen rückt ein soziales Miteinander in den Vordergrund. Eine Zeit, in der wir uns gegenseitig emotional besonders wärmen und aufbauen müssen, weil es draußen dunkler und kälter ist. Dafür werden ein paar Skype-Telefonate nicht reichen. Und ich wünsche mir, dass das stärker mitgedacht wird, von jedem Einzelnen und auch von der Politik.