Ich liebe Männer. Eine Welt ohne Männer wäre möglich aber sinnlos. Das würde als Sinnspruch auf meiner Tapete stehen – wenn ich eine hätte und auf solche Sprüche stehen würde.

Wir brauchen Männer. Wir könnten uns ohne sie nicht fortpflanzen und würden aussterben. Noch ein Grund mehr auf Männer nicht verzichten zu wollen. Also, müssen wir uns mit ihnen arrangieren, ich mache das gern.

Ich wurde in der ehemaligen DDR geboren. Das heißt, es gab die Geschlechtergleichheit per Gesetz. Bei genauerer Betrachtung der Geschichte wird klar, dass Frauen zur verordneten Berufstätigkeit mit schlechterer Bezahlung weiterhin allein die Kinderbetreuung und den Haushalt schmeißen mussten. Aber immerhin. Meine eigene Biographie hat das nicht mehr direkt tangiert. Denn als die Wende kam war ich 9. Ich komme aus einer Familie mit mächtigen Frauen. Sie haben die staatliche Aufgabe über Plan erfüllt – alles allein zu wuppen – Job, Familie, Haushalt. Sie haben das gern gemacht, sie hatten das Sagen.

Außerhalb der Familie war das anders. Ich kann mich erinnern, dass ich gegenüber Autoritäten (anderen Erwachsenen, Lehrern usw.) immer die Klappe halten sollte, nur nicht aufmüpfig erscheinen. Diese Ansage war aber, meines Erachtens, nicht vordergründig geschlechterspezifisch sondern eher dem damaligen System und seinen vermeintlichen Anforderungen geschuldet. Es gibt ja immer viele verschiedene Komponenten, die Gesellschaft und die eigene Biographie prägen. Geschlecht ist eine davon, wenn sicher eine starke.

Jedenfalls bin ich immer meinen Weg gegangen, holprig nach vorn. Ich durfte meinen Weg gehen – habe studiert, regulär gearbeitet und viele Einblicke erhalten. Meinen Mund aufgemacht, wenn auch anfangs schwerfällig. Meine Haare abgeschnitten. Mit den gesellschaftlichen Konventionen gebrochen. Und so bin ich anscheinend bisher an einer „typischen“ Biographie vorbeigeschlittert. Nicht aus Prinzip, sondern einfach, weil es sich richtig anfühlte.

Vielleicht fallen mir die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern deshalb nicht mehr so deutlich auf. Vielleicht habe ich mich deshalb für eine Selbständigkeit entschieden, jenseits der Machtstrukturen eines Unternehmens. Vielleicht entscheide ich mich deshalb ein ums andere Mal für die Unabhängigkeit jenseits von Partnerschaft und Familiengründung. Vielleicht fällt es Männern deshalb so schwer, sich auf eine Paarbeziehung mit mir einzulassen.

Ich bin gern Frau. Ich mag das weibliche, das weiche. Aber genauso das laute und freche. Manchmal drüber, provokativ. Durchaus pragmatisch, wie es gern Männern zugeschrieben wird. Immer gewaltfrei. Ich möchte mich frei entscheiden können, zu sein wer ich bin. Das gestehe ich jedem anderen Menschen zu. Das wünsche ich mir für jeden anderen Menschen. Ich bin froh selbstbestimmt zu leben, ich fühle mich privilegiert und bin dankbar dafür.

Zum Frauentag möchte ich auch Männer einladen. Ich möchte Frauen, Männer und alle Menschen einladen, sich füreinander Zeit zu nehmen, einander zuzuhören, sich ernst zu nehmen. Ich denke, es gibt viel zu besprechen. Am besten geht das miteinander.

Und zum Reinhören ‚Gambler‘ –