Vor einer Woche zog es mich in das Dorf meiner Jugend zu einem Konzert der besonderen Art. Meine Familie – die mich seit Beginn auf diesem Weg stärkt und unterstützt – hatte mich eingeladen, meine Musik in der heimatlichen Umgebung erklingen lassen. Dafür hatten sie keine Mühen gescheut und sogar eines der Herzstücke des Ortes als Veranstaltungsraum gewinnen können – das Gemeindeamt von Horka. Dieser Ort hatte für mich immer etwas Magisches. In einer Kindheits-Erinnerung stehe ich in diesem riesigen Foyer, schaue hoch zur Galerie und den sich abblätternden, verblassten Wandgemälden. Auch heute hat es noch etwas Ehrwürdiges, Beeindruckendes, nur dass die Farben der altertümlich anmutenden Wandgemälde wieder in neuem Glanz erstrahlen.

Zu diesem Ereignis waren viele Menschen geladen, mit denen ich aufgewachsen bin, die mich haben aufwachsen sehen oder begleitet haben – Familie, alte Freunde, Lehrer, Nachbarn – alle waren sie versammelt. Und so war es eine – gefühlt lang ersehnte – Möglichkeit zu präsentieren, was mich in den letzten Jahren umgetrieben hat. Alle waren sehr aufmerksam und interessiert, dazu war es ein wunderschöner Altweibersommer-Nachmittag mit viel Wärme, Spinnennetzen und Wiedersehensfreude. Kurzum, es war einfach wundervoll!

Die Woche darauf ging es gleich wieder auf Tour in Richtung Süd-Westen – über Chemnitz (EXIL, gemeinsam mit der Band Tim Oh), Halle (Peißnitzhaus) und Leipzig (als Überraschungs-Musikgast zu einem Geburtstag) nach Wiesbaden (Infoladen).

Inzwischen kann ich selbst die zum Teil langen Strecken der Anreise genießen. Auch wenn ich einmal länger warten muss, weil der Zug sich verspätet oder bis zum Auftritt noch ein paar Stunden zu überbrücken sind, entspanne ich, lese in einem Buch (dieses Mal eine sehr interessante und inspirierende Autobiographie von Janet Frame, einer neuseeländischen Schriftstellerin und ihrem Weg zum Schreiben) und versinke in dieser anderen Welt, um kurz darauf wieder meinen eigenen Spuren zu folgen und neue zu hinterlassen.

Die Veranstaltungsorte waren mir bekannt. Ich hatte schon vorher dort gespielt. Und so gab es neben neuen Begegnungen auch viele vertraute Gesichter und Anknüpfungspunkte, dazu neue Ideen und frischen Mut für weitere Pläne und Möglichkeiten, mal eine größere Tournee in größerer Besetzung in Angriff zu nehmen. Auch das Musizieren selbst fällt mir immer leichter, ohne dass es mir zu viel Sorgen macht, ob irgendwas nicht passt, ob sich genügend Zuhörer finden, ob meiner oft leiseren Töne, ob irgendwelcher anderen Umstände…

Nach einem Sommer – in dem ich doch auch wieder viel nachgedacht habe und mich das ein oder andere Mal ertappt habe, die Dinge zu sehr zu hinterfragen und zu prüfen – spüre ich einmal mehr und ganz deutlich, dass ich diesen Weg nicht mehr in Frage stelle und mich immer mehr erfreue – an dem kleinen Glück, an großen Erkenntnissen und dem Leben, das sich prall und voll vor mir entfaltet. Mühelos und einfach so.

To be continued…

Foto. Hans-Peter Berwig | http://www.berwig-bildverlag.de/