Nachts schlafe ich am liebsten. Außer, es ist Wochenende und ich bin ausgegangen – in die Kneipe mit Freunden oder zum Tanzen in den Club – Früher! Seit Ende 30 und endgültig mit der pandemischen Zeitrechnung wurde dem ein Ende gesetzt. Und das Ausgehen am Wochenende sehe oder sah ich als schöne Ausnahme, in der ich die nächtliche Wachheit gut gebrauchen konnte!

Denn am Nachts-Wachsein stört mich am meisten, dass der Großteil der anderen Menschen schläft. Ich kann niemanden anrufen, um mir die Zeit zu vertreiben. Nächtliche Nachrichten lassen bei Freunden und Bekannten, Sorgen um meinen Zustand entstehen. Ich möchte meine Nachbarn nicht um ihre Nachtruhe bringen, wenn ich eine Gesangsübung zur Geisterstunde einlege. Nachts wach zu sein finde ich also echt einsam und öde! Dazu die ganze Dunkelheit um mich herum…

Ausgeschlafen möchte ich sein, wenn der neue Tag anklopft. Um mit vielen Menschen zusammen – wenigstens denjenigen aus der eigenen sowie angrenzenden Zeitzonen und denjenigen, die nicht zur Kategorie „Nachteule“ gehören – frisch und munter in den neuen Tag zu starten.

Wobei ich mich von der Frühaufsteherin zur Ausschläferin entwickelt habe. Das ist vor allem dem geschuldet, dass von Zeit zu Zeit der Geist die nächtliche Ruhe hinauszögert oder unterbricht. Das rädert… Und ich versuche die 1-2 Stunden, die ich wach liege, in der Früh nachzuholen.

Wahrscheinlich wäre ich so nicht mehr auf dem regulären Arbeitsmarkt zu vermitteln. „Kann frühestens 9:30 oder 10 Uhr ihren Dienst antreten“, steht in der Bewerbung im Kleingedruckten. Letztens habe ich sogar einen Freund verprellt, der mich 8 Uhr morgens besuchen wollte… Denn wer weiß, wie ich die Nacht davor zu Ruhe gekommen sein werde.

Meine Mitmenschen dann schlaftrunken – dämmrig benebelt zu begrüßen – finde wenig verlockend. Da greife ich lieber auf Genussmittel zurück, die ich mir gezielt einverleiben kann. Doch gibt es nicht ein Potential der nächtlichen Schlaflosigkeit? Gedanken in der Nacht können wie ein Blick durchs Vergrößerungsglas wirken. Manchmal erscheinen mir Antworten auf Fragen des Lebens – so klar – dass ich mich nicht wundern muss, warum ich tagsüber nicht zu Potte komme. Das Unterbewusste sucht sich seinen Weg nach Draußen. „Warte bis zum nächsten Morgen, überstürze nichts“, warnt währenddessen die Voraussicht. Denn das nächtliche Genie mag zwar allwissend sein, ist aber nicht in den sozialen Kontext eingebettet. In der Nacht gefasste Entschlüsse sollten also bei Tageslicht nochmals eingehend betrachtet werden.

Zum Glück kann es auch recht banal sein: Ich liege wach und kann nicht schlafen. Das geht auch mal ohne Gedankenkarussell. Ich versuche dann, mich mit einfachen Maßnahmen müde zu kriegen: Den Abwasch machen… Ein paar Seiten aus einem Buch lesen… Einige Zeilen schreiben, um die Gedanken aus dem Kopf aufs Papier zu kriegen…

Ich glaube, jetzt kann ich weiterschlafen.

Dazu spielt: „3 Uhr nachts“

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