„Manchmal fühl ich mich hier falsch, wie ein Segelschiff im All.“ Diese Zeile von Namika, wie auch andere Zeilen, hallen immer wieder im Ohr, von den Songs, die ich mit meinen jungen Schülerinnen singe in der Musikschule. Ich habe bestimmt schon selbst solche oder so ähnliche Zeilen geliefert, denke ich gerade beim Stichwort „All“ an meinen „Astronaut“, der die Welt aus der Ferne anschaut. Es ist ein Gefühl, das ich öfter habe. Es verändert sich. Inzwischen bin ich durchaus angekommen in der hiesigen und trotzdem… geht es um die Pandemie, geht es inzwischen um den Krieg in der Ukraine und den Umgang damit, denke ich nach wie vor: Ich bin von einem anderen Planeten.

In einer Zeit, in der „Eigenverantwortung“ fast schon als Schimpfwort durchgeht, kommen hingegen „schwere Waffenlieferungen“ voll in Mode. Bei letzterem habe ich manchmal den Eindruck, als ginge es um eine Amazon-Bestellung, deren Lieferung sich verzögert. Ich bekomme Bauchschmerzen, wenn ich auf diese Entwicklungen und Widersprüchlichkeiten schaue: Auf der einen Seite wird jedes mögliche Menschenopfer im Zuge der Corona-Pandemie beklagt und Leben als schützenswert angepriesen, während auf der anderen Seite die Kriegspropaganda auf Hochtouren fährt, mit der Konsequenz Menschenleben zu riskieren und eine Entgrenzung des Krieges zu unterstützen. Der Druck wächst, das hatten wir ja schon bei der Corona-Politik, ein Land macht was vor, die anderen ziehen nach. Wer nicht mitmacht ist doof, wird abgestempelt oder unter Druck gesetzt. Zusammenhalt um jeden Preis, Zusammenhalt, um eine bestimmte Stoßrichtung aufrechtzuerhalten, die angeblich einzige, die zu einem besseren Leben führen kann.

Letzten Sonntag ist mir dann ein Buch in die Hände gefallen, das ich – ganz altmodisch – in der Bibliothek ausgeliehen habe. Ein Freund hatte mich dorthin mitgeschleppt. Und als ich da so rumhing, habe ich etwas gestöbert, auf der Suche nach etwas zum Thema Krieg bzw. Frieden, um meine Argumentation für eine friedlichere Welt zu festigen. Besagtes Buch lag wiederum ein, zwei Wochen bei mir zu Hause vor sich hin. Unter einem meiner kreativen Stapel ist es beim Aufräumen plötzlich wieder aufgetaucht, um mich mit dem Titel „Ich will eine Welt ohne Kriege“ von Arno Gruen anzusprechen.

Träumen ist erlaubt, steht da in der Einleitung. Alles Menschliche ist willkommen, heißt es weiter. Dass das eigene Erleben und Denken zählt und etwas wert ist. Dort werden Beispiele zu friedlichem Miteinander in der Menschheitsgeschichte aufgerufen und Ansätze aufgezeigt, wie es dazu kommen kann, anstatt immer nur den Status Quo zu repetieren und als einzig logischen Kreislauf vorzuschlagen.

Menschen, die sich auf die eigene Erfahrungswelt, Emotionen und das Sein als Lebenssinn, berufen, werden oft ins esoterische eingeordnet und belächelt. Ich bin weder sonderlich gläubig noch esoterisch, sondern einfach kritisch und habe eine große Skepsis und Widerstand gegenüber autoritärem Denken, auch wenn ich mich durchaus gern führen lasse. Aber dann bitte freiwillig. Aller Zwang zur Einheitsmeinung kommt mir verdächtig vor. Mag sein, dass ich das aus meiner kindlichen Sozialisation der DDR-Zeit mitgenommen habe. Aber das empfinde ich immer mehr als eine Stärke.

So wärme ich mich gerade am Feuer, des just gelesenem. Es führt dazu, dass ich meinen eigenen Gedanken mehr Raum gebe, dass ich mich bestärkt fühle, Widersprüchlichkeiten offener anzusprechen und darauf hinzuweisen. Es führt auch dazu, dass ich leichter auf andere Menschen zugehen kann, dass es zutiefst menschlich und wichtig ist, Mitgefühl zu zeigen und nicht Menschen gegeneinander auszuspielen. Und es führt dazu, dass ich mich verstanden fühle und nicht allein mit all diesen Gedanken: Nicht fehl am Platze in dieser Welt.

Dazu spielt: Astronaut

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