Eigenlob stinkt. Diesen Ausspruch kennt bestimmt jede, jeder, die meisten oder wenigstens sehr viele. Sich selbst loben wird nicht sonderlich hoch angesehen von der Umwelt, zu sehr steht es im Verdacht eine Handlung in der eigenen Einschätzung zu überhöhen, glänzen zu wollen damit andere im Schatten verblassen.

Wenn das Licht von anderen auf eine besondere Leistung oder Handlung geworfen wird, ist das aber total okay. Und wir dürfen damit hausieren gehen: Ich habe einen Preis gewonnen und bin stolz drauf – gibt extra-viele Likes!

Was auch immer gut kommt: Anekdoten und Fehler von anderen, wobei Fehler, die ein scheinbares Unvermögen aufdecken, häufig mehr Aufmerksamkeit bringen. Auch wenn wir unsere eigenen Fehler und Unzulänglichkeiten zur Schau stellen, kommt das in der Regel menschlich rüber, wirkt sympathisch. Hauptsache irgendwas mit (Selbst-)Ironie, damit nicht zu deutlich heraussticht, dass wir uns und unser Handeln sehr wohl wichtig und richtig finden.

In den letzten Tagen habe ich einige bemerkenswerte Beispiele entdeckt, die anders sind. Deshalb sind sie mir wohl überhaupt erst aufgefallen. Zum Beispiel hat der Berliner Autor Uli Hannemann, der sich gern hinter Satire versteckt, in seinem aktuellen Blogartikel darüber geschrieben, wie er Menschen aus der Ukraine ein Obdach bietet und berichtet darüber, wie das für ihn ist. Ganz unverstellt. Ein paar Tage vorher ist mir auf Instagram der Post der Leipziger Liedermacherin Nadine Maria Schmidt aufgefallen, die aus ihrem Alltag erzählt: Als sie an der Supermarkt-Kasse die quengelnden Menschen hinter ihr, die sich beschwerten, dass es nicht schnell genug ginge, mit den Worten: „Wir Menschen sind keine Maschinen und das ist auch gut so.“ besänftigen konnte. Vor allem beschreibend, ohne etwas in die ein oder andere Richtung werten zu wollen und doch steckt das Wissen dahinter, dass das eigentlich ziemlich cool ist.

Ich denke, genau so soll das doch sein! Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir vor lauter Gemecker, Panik, Sorgen und der Erwartung, das andere es richten sollten, weil wir eh nicht viel ausrichten können… das Gute vergessen, das in uns steckt und wie wir selbst dazu beitragen können, die Welt ein kleines Stück besser zu machen.

Ich habe mich letztens auch dabei ertappt, dass ich mich nicht versteckt habe, als ich vom Gehsteig vor unserem Haus den Müll weggeräumt habe. Es war nicht das erste Mal, das vor unserem sanierungsbedürftigen Haus, ein Ablageplatz für Reste aufgemacht wurde. Meistens ducke ich mich bei solchen Aktionen, weil es was spießiges hat und es ja nicht mein eigener Müll ist… Aber irgendwie dachte ich, kann ich doch stolz drauf sein, dass mir mein Wohnumfeld nicht am Arsch vorgeht und habe mit gerader Haltung (bis auf den gebückten Rücken beim Aufheben) die Plastiksachen weggeräumt. Sollen das doch alle sehen! Und vielleicht mitmachen, nachmachen… Ein neuer Trend, der nicht Frust und Wut zelebriert, sondern einen Gemeinschaftsgedanken, den wir gestalten mit unserem Handeln.

Zum Dazulernen ist mensch ja zum Glück nie zu alt und mit einem anderen Beispiel voranzugehen.

Dazu spielt: Präsident der Welt

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