Vor ein paar Tagen ist eine Neuauflage von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ erschienen. Oje! Libuše Šafránková würde sich im Grabe umdrehen, liegt es mir auf der Zunge. Denn es gibt doch nur die eine – Darstellerin, den einen – Film: Der mit so viel Zauber, ganz ohne Spezialeffekte auskommt (mit Ausnahme der Verwandlung der Nüsse). Der mit Natürlichkeit überzeugt und nicht durch überkandideltes Tamtam und Spiel. Der diese eine Melodie flötet, die dem Ganzen die Krone aufsetzt! – Wir müssen ihn einfach lieben… bis zum Brechreiz! Um uns das Erbrochene später wieder als Delikatesse einzuverleiben… nach ein oder zwei Jahren Abstinenz.

Selten gehen Neuverfilmungen den Schritt zurück, sich zu überlegen, was den besonderen Reiz des Originals ausmacht. Sie wollen besser sein… vorherige Schwächen ausmerzen, Bilder präzisieren, Szenerien noch besser gestalten. Doch das Beste kann nie gut genug sein. Denn der besondere Moment ist nicht opulent. Er ist unvoreingenommen und authentisch. Ein Gefühl, das von innen wächst und sich warm in den ganzen Körper ausbreitet. Im Grunde ziemlich simpel und doch nicht reproduzierbar, solange wir uns nicht lösen können von einer Vorlage… Als ich meine Eltern darauf anspreche, sind wir uns einig: Diese Wiederholung ersparen wir uns zu Weihnachten! Und auch sonst gibt es in der alten Heimat einige Neuigkeiten.

Das Corona-Renovierungs-Projekt meines Vaters war eine Garage, die im Frühsommer zum Party- und Gemeinschaftsraum umfunktioniert wurde. Hier findet erstmals das weihnachtliche Stell-dich-ein statt. Ich bin fasziniert, wie so ein einfacher Raum Gemeinschaft befördern kann. Ein Raum mit einem Tisch, mit Stühlen, eine Ablage gibt es und seit Herbst einen Kamin, der auch als Kochstelle taugt. Ein Raum, der schnell zum Lebensmittelpunkt geworden ist. Seitdem sind Freunde – von uns Kindern oder von den Eltern – häufige Gäste für geplante oder spontane Zusammenkünfte. Das meine kleine Schwester mit ihrem Partner wieder in die Nähe gezogen ist, tut ihr übriges. Unsere Erstauflage von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ möchte ich fast behaupten.

Dieses Jahr habe ich mir bewusst vorgenommen, die Weihnachtszeit in Familie auf mich zukommen zu lassen und offen zu bleiben. Schon im Vorfeld wurde ich daran erinnert, dass meine Liebsten und ich trotz unserer starken Verbindung, sehr unterschiedlich sind. Inzwischen bin ich bereit, das zu akzeptieren. Gleichermaßen möchte ich akzeptiert werden. Und merke, dass es viel einfacher ist, klar zu kommunizieren, was ich möchte und was nicht, wie ich was finde… als mir ewig Gedanken zu machen, wie ich was formulieren müsste, damit es niemanden verletzt. Wie zum Beispiel, dass ich nicht die Weihnachtsmann-Mütze fürs Familien-Foto aufzuziehen möchte… Und dabei beharrlich bleibe. Zum Schluss posiere ich dann quer durchs Bild in der ersten Reihe. Findet sich also eine Lösung, mit der wir uns arrangieren können, stelle ich erleichtert fest.

Es fühlt sich an, als nähme ich Abschied von den ewigen Wiederholungen des Lebens. Nicht, dass sich Erlebnisse von außen sonderlich unterscheiden würden, von den vorherigen. Vor allem für mich selbst sind sie authentisch(er), und einfach besonders wie jeder weitere Moment, der hinzukommen wird.

Dazu spielt:

Externe Inhalte laden?


… aber, oder, und… – Schreib mir gern deine Gedanken und Erfahrungen: info@janaberwig.de