Erleichterung und Mut
Tschüss 2025, Hallo 2026
Wenn ich auf das Jahr 2025 schaue, dann kann ich für mich persönlich, und auch beruflich sagen, dass es ein erleichterndes und gleichzeitig erfüllendes Jahr war.
Erleichternd deshalb, weil ich besonders in den letzten Jahren immer mehr eine Schwere gespürt habe. Ich weiß gar nicht, ob das der Lauf der Dinge ist, alle Ähnliches erleben und fühlen in einem bestimmten Alter oder einer bestimmten Lebensphase und wir nur zu wenig drüber sprechen. Bei mir, so vermute ich, hatte es damit zu tun, dass ich wohl immer noch verinnerlicht hatte, eine Partnerschaft einzugehen und eine Familie zu gründen. Aber das blieb aus. Mir einen Kinderwunsch zu erfüllen, dazu ist es wohl inzwischen zu spät und ich merke, wie mein Körper sich langsam verändert. Besonders mit einer Gewichtszunahme hatte ich in diesem Jahr zu kämpfen, und das hat mich traurig gemacht. Es fühlt sich ein bisschen wie der Abschied von der Jugend und Fruchtbarkeit an, auch wenn ich gleichzeitig eine innere Schönheit und Größe in mir wachsen spüre und eine geistige Frische und Fruchtbarkeit erleben darf. Die Kilos habe ich langsam wieder unter Kontrolle, auch wenn mein Körper von früher wohl für immer der Vergangenheit angehören wird. Seufz…
Es ist verrückt, wenn ich mich momentan auf Fotos von damals anschaue, sagen wir – Fotos der letzten fünf Jahre – sehe ich mich an und denke – Mensch, wie ungesund ich aussehe, weil es mir rückblickend in den letzten Jahren seelisch nicht gut ging und es echt hart war, auszuhalten, dass mein Leben diesen Weg nimmt, den es nimmt: Unabhängig, überall zu Hause, aber eben allein. Und es ist ja kein Zwang, ich weiß, dass ich mich immer auch anders entscheiden darf. Ich habe wieder und wieder die Alternativen geprüft, und gemerkt, dass ich mich auf dem richtigen Pfad befinde. Na toll…
Ich musste viel stärker schauen, wo ich Halt finden kann, damit ich nicht untergehe. Denn manchmal hat es sich angefühlt wie Schwimmen auf hoher See ohne Ufer in Sicht. Eine Stimme in mir hat gesagt: Finde den Halt, den du brauchst, damit du weiterhin ein gutes Leben führen kannst. Und so habe ich mich stärker auf meine Familie und meine Freundschaften fokussiert, weg von der ewigen Suche nach dem Versprechen aus den Märchen – wenn du erstmal den Prinzen hast, wird alles gut. Ich habe den Blick nach innen gerichtet, um mein eigener Prinz zu sein und das vermeintliche Loch selbst gestopft. Die Einsicht liegt nahe, dass niemand auf dem Pferd geritten kommt, sondern Männer auch nur Menschen sind, mit vielen Themen und Problemen, um die sie sich am besten mal kümmern sollten. Dann schauen wir gerne weiter.
Yoga… habe ich außerdem für mich entdeckt, etwas, was ich mir vor einigen Jahren niemals vorstellen konnte – zu esoterisch, zu modisch. Inzwischen denke ich, warum nicht mit der Zeit gehen, zumal es sich super anfühlt! Ich gehe meistens direkt in ein Studio, da bin ich auch gleich unter Menschen. Dadurch hat sich mir eine neue schöne Welt eröffnet. Es ist eine neue Art mit mir zu sein und bei mir anzukommen und vor allem: Ich halte mich fit und beweglich. Da bin ich ein bisschen stolz drauf, dass ich das so konsequent in meinen Alltag eingebunden habe. Inzwischen kommt Tanzen dazu, zu einer Uhrzeit, die ich von nachts aus den Clubs, in den Feierabend zu Kursen verschoben habe.
Ich konnte einige Dinge loslassen. Schuld und Reue sind von mir abgefallen. Wie oft habe ich früher gedacht: Hättest du anders reagiert, dich anders verhalten, wärst du jetzt da oder dort mit der einen oder jener Person. Auch Fantasien, über endlose Großzügigkeit sind passé: Ich dachte immer, wenn ich einem anderen Menschen einmal nähergekommen bin, werde ich diesem Menschen für immer nahe bleiben, egal, was kommt. Aber ich habe zugelassen, dass auch ich mich zurückziehen darf, wenn mir das Verhalten einer anderen Person nicht guttut und wir nicht darüber sprechen können. Dass ich selbst entscheiden kann, mit welchen Menschen ich Nähe teile und mit welchen nicht. Das ist so eine große Erleichterung, wie eine Last, die mir genommen wurde. Ich reise mit leichtem Gepäck.
Diese Veränderungen spiegeln sich auch beruflich wider. In meinem Gesangscoaching habe ich nun viel mehr Coachis, mit denen ich absolut auf einer Wellenlänge bin. Und es entwickeln sich zum Teil schöne Freundschaften daraus. Das ist kein Muss, aber es ist ein schönes Gefühl, wenn es menschelt und der Unterricht nicht kühl von statten geht. Singen ist immer auch einlassen und ein Prozess, das Innere mit der Außenwelt in Kontakt kommen zu lassen.
Es ergeben sich neue Kooperationen, wie zum Beispiel die mit dem Gitarristen Ben Aschenbach, mit dem ich ein Duo gegründet habe. Wir nennen es „Simone & Gefunkel“ und wollen es im nächsten Jahr gern etablieren. Ich spiele inzwischen mehr Konzerte, bei denen das Geldverdienen und Singen im Vordergrund steht, was heißt, dass ich ein paar mehr Cover-Songs in mein Programm aufgenommen habe, die ich zu bestimmten Anlässen darbieten kann, wie zu Feiern oder Live-Musik zum Dinner.
Trotzdem gab und gibt es immer wieder wahnsinnig schöne Momente, in denen ich meine ganz persönlichen Songs mit anderen Menschen teilen darf, wie während des Konzerts in meiner Heimat Horka im September. Oder, erst gestern wurde ich wieder belohnt – mit offenen Ohren und Herzen – während meines Auftritts bei der Offenen Bühne in Templin.
Diese Bühnen möchte ich gern erweitern und arbeite neben neuer Musik, die bald veröffentlicht wird, an ansprechenden Social-Media-Auftritten, um ein breiteres Publikum anzusprechen. Dafür arbeite ich mit Menschen zusammen, die sich damit auskennen und mich coachen. Es ist ein ganz neues Feld und viel Arbeit… und Überwindung. Erste Begegnungen mit mir und der Kamera zeigen, dass es mir Spaß macht und ich sammle Mut, um ins Machen zu kommen.
Zum Abschluss möchte ich den Blick aufs Große Ganze richten: Ich bewege mich in dieser Welt und nehme die aktuellen Herausforderungen wahr. Ich bekomme den Eindruck – wenn ich der medialen Berichterstattung folge – wie es sich eher zuspitzt als entspannt, weil auf den großen Bühnen dieser Welt, kein Mut und Impulse zu wirklicher Veränderung unternommen werden. Im Kleinen habe ich einen anderen Eindruck. Ich kenne viele Menschen, die Mut haben und eine Bereitschaft für Veränderung, für ein soziales und solidarisches Miteinander, für eine Gesellschaft, die nicht nur in Zahlen denkt. Ich bin mir sicher, es gibt viele weitere Menschen, Initiativen, Ströme und Bewegungen, die einen konstruktiven, visionären Ansatz verfolgen, selbst wenn wir in einer Berichterstattung bisher noch nicht genug darüber erfahren. Das darf sich gern ändern und ich möchte Teil einer kritischen Masse sein, die Veränderung bewirken kann.
Auf ein beherztes, gesundes und liebevolles 2026!
Titelfoto: Peter Pollmanns
Dazu spielt:
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