Es ist sehr unterhaltsam, wie ich von Anderen wahrgenommen werde. Das spiegelt sich zum Beispiel in den Geschenken wider, die mir Menschen machen: Kürzlich habe ich ein Buch mit dem Titel „Lob der Faulheit“ bekommen, eine Sammlung von Kurzgeschichten über Reflexionen vom Arbeiten und der sogenannten Faulheit. Faulheit ist kein schönes Wort, Muße oder Müßiggang finde ich passender, deutet eher auf ein selbstbestimmtes Leben hin, als das es heißt, dass jemand gar nichts macht. Denn es ist ja nicht so, dass ich nichts tue…

Wenn mich andere fragen, was ich so in letzter Zeit gemacht habe, fällt mir meistens nichts Besonderes ein. Mein Schaffen ist eines, das im Prozess über die Zeit entsteht und sich entwickelt. Da braucht es bis zu einem fertigen Album zum Beispiel viel Zeit, und es ist schwer zu erklären, dass Gedanken dazu erstmal nur reifen müssen… Und zugegeben, dazwischen noch viele andere Gedanken Platz finden, die nicht unbedingt damit zu tun haben.

Ich könnte die Frage, was ich in letzter Zeit gemacht habe, beantworten, indem ich sage, mit wem ich mich getroffen habe. Es sind oft Kontakte mit Freunden oder Bekannten, die nicht vordergründig einem besonderen Zweck dienen. Ich unterhalte mich einfach gern, tausche Gedanken aus, die mein Inneres oder mein Schaffen inspirieren oder teile meinen Alltag mit Anderen zum gegenseitigen Vergnügen. Manchmal ist es nicht nur Inspiration, sondern es können gemeinsame Ideen, Projekte entstehen. Dabei ist der Weg das Ziel. Also, es ist schon schön, wenn Dinge irgendwann einen Abschluss finden oder in etwas münden, manchmal in etwas, dass ich anfangs noch nicht weiß. Ich folge da eher einem unbestimmten Gefühl, das sich aus Neugier und Lust speist.

Ich könnte meine Auftritte erwähnen, die momentan oder seit einiger Zeit eher rar gesät sind. Und ich stelle auch da fest, dass ich das nicht ständig brauche. Für mich steht die Freude im Vordergrund, auf der Bühne zu stehen, meine Songs und Lebensweisheiten zu verbreiten. Umso besser, wenn es dem Publikum ebenso Freude bereitet, mir dabei zuzusehen und zuzuhören. Um mich mit den Gästen anschließend am liebsten wieder über Lebenserfahrungen auszutauschen.

Apropos Erfahrung. Ich stelle immer mehr fest: Ich möchte nicht wissen, wann ich arbeite und wann ich Freizeit habe. Ich möchte einfach das Leben in einem Stück erfahren. Immer mehr spüre ich, dass das „Muss“ von einem „Kann“ abgelöst wird: Wo sich andere von Termin zu Termin quälen, sage ich ab, wenn es mir zu viel wird. Darin werde ich stetig konsequenter. Noch besser ist es natürlich, rechtzeitig zu merken, wie meine Kapazitäten sind und Verabredungen oder Termine daraufhin anzugehen. Nicht „es muss“ sollte es heißen, sondern: „Es wäre schön, wenn…“ Ich ‚muss‘ das entsprechend bei Anderen akzeptieren, die Verabredungen oder Deadlines verschieben, weil ich weiß: Der Mensch ist keine Maschine und braucht Raum zur Entfaltung. Dann kann es gut werden.

Mir fällt nun doch noch etwas ein, dass Andere leicht nachvollziehen können: Ich begleite Menschen beim Singen. Klingt konkret genug, um sich eine Stunde vorzustellen, die mit dem Prädikat „Arbeit“ versehen werden kann. Aber in Wirklichkeit ist das auch eine Art erweiterter Egoismus: Mir bringt das Freude, Menschen wachsen zu sehen, in ihrer Gesangsstimme wie in ihrer Persönlichkeit. Ich gehe die Stunden individuell an. Ich nehme mir Zeit für Gespräche, für Fragen, selbst wenn diese nicht den Unterricht betreffen.

Das mag ich übrigens sowieso am meisten, zu sehen, dass Leben immer ein Miteinander ist und daraus noch viel mehr entsteht, als es ein Mensch, allein aus sich heraus, schaffen kann.

Dazu spielt, heute mal, einer meiner Schüler:

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