Eine Songwriting-Schülerin schrieb mir letztens und entschuldigte sich, dass sie sich länger nicht gemeldet hatte. Sie hätte nach unserer letzten Stunde ein Sinnkrise bekommen: Sie wollte und konnte nicht mehr an ihren Liedern schreiben – etwas, das sie erst kurz vorher für sich entdeckt hatte. Inzwischen hätte sie einige der Tipps, die ich ihr gegeben habe, berücksichtigen können und würde gern weiterarbeiten.

Ich antwortete, dass ich das sehr gut kenne und verstehen kann. Alles hat seine Zeit und die Dinge – das habe ich am eigenen Leib erfahren – kommen in der Regel wieder, wie es so schön heißt. Beispielsweise die zündende Idee zu einer Textzeile, die Kraft sich mit einem Projekt zu befassen, das vorher Widerstände auslöste oder das Wissen, dass es jetzt endlich mal Zeit wäre, eine Aufgabe zu erledigen. Mit diesen Erfahrungswerten ertrage ich leichter, das ich in einem bestimmten Bereich mal nicht voran komme. Es kommt auf mein imaginäres Erledigungskonto, und entweder fällt es irgendwann raus, weil es doch nicht so wichtig war, oder es fängt irgendwann an mich zu wurmen. Und sucht sich einen Weg an die Oberfläche.

Wir denken oft, Pausen sind schlecht, werden vielleicht als Faulheit abgetan, aber in Wirklichkeit helfen sie unseren Fertigkeiten zu wachsen. Ich stelle mir das vor wie Traubensaft, der im Keller in einem hölzernen Fass liegt und reift zu der Weinsorte, die sich ein Winzer oder eine Winzerin wünscht. Bei meinen Gesangsschülern und -schülerinnen, die sich oft entschuldigen, dass sie nicht üben konnten, sehe ich ebenso einen Reifungsprozess in ihren Gesangsfertigkeiten während Pausenzeiten. Zudem bringt Druck überhaupt nichts, das macht nur zu. Gesang braucht eine Offenheit und einen Zugang zum eigenen Selbst.

Heutzutage wird alles super-schnell kommuniziert und von außen bewertet, es wirkt fast wie eine Treibjagd. Selbst der Verweis, dass wir keine Zeit hätten, rechtfertigt für mich nicht, dass ständig falsche Entscheidungen total schnell getroffen werden, weil es eine Aufgabe genauso wenig voranbringt. Das denke ich beispielsweise mit Blick auf die Regierenden, die ohne Punkt und Komma Entscheidungen treffen sollen, zu diesen oder jenen alles verändernden Fragen (wie Corona-Politik oder Umgang mit den wirtschaftlichen Folgen des Krieges in der Ukraine). Mit Meinungsmacherinnen und Meinungsmachern, die schon vor der (virtuellen) Tür lauern. Dabei brauchen wichtige Entscheidungen eine Art Besonnenheit und Ruhe. In diesem Zusammenhang fällt mir Angela Merkel ein, die vor einigen Wochen mit ihrem Statement, dass sie nur noch „Wohlfühltermine“ wahrnehme, belächelt wurde. Mag jeder/jede von ihrer Arbeit halten, was er oder sie will, aus meiner Sicht hat sie eine wichtige Lehre gezogen aus ihrem Schaffen.

Das bedeutet, erstmal wahrzunehmen, dass ich überlastet bin oder die eigenen Grenzen erreicht sind. Bei mir ist das nicht immer vordergründig. Weil sich mein Leben inzwischen ohnehin jenseits des viel zitierten Hamsterrads gestaltet. Aber stets auf mich selbst zurückgeworfen zu sein und alles mit mir selbst auszumachen – beruflich wie privat – ist durchaus herausfordernd. Dann merke ich manchmal nebenbei, dass ich empfindlich reagiere, auf eine normale Frage. Oder wenn sich Erleichterung einstellt, während ich zu Besuch bei meinen Eltern bin, mal aus der Stadt raus zu sein und ich spüre, dass ich mehr von diesem weniger gebrauchen könnte.

In diesem Sinne mache ich mit meinem Blog eine kreative Sommerpause. Vermutlich wird es in einem anderen Rhythmus weitergehen, 2- oder 4-wöchig, das habe ich noch nicht entschieden. Es triggern mich bereits weitere Themen, mit denen ich mich gern gedanklich ausführlicher beschäftigen möchte. Außerdem möchte ich neue Projekte angehen oder länger gehegte Pläne verwirklichen – Musik aufnehmen, einen Podcast vorbereiten. Lasst euch überraschen und es euch gut gehen!

Dazu spielt: Autumn Leaves (Eva Cassidy Cover)

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