Anlässlich des diesjährigen Frauentags, der ja freundlicherweise in Berlin zum Feiertag erklärt wurde, war ich zu einem Brunch eingeladen für FLINTA*. Ungefähr habe ich mir schon gedacht, was das heißt. Und: ich war eingeladen, schien demzufolge in diese Ansprache inbegriffen. Denn zugegebenermaßen stehe ich nicht voll umfänglich, wohl nicht mal halbwegs fest, auf dem Grund der aktuellen Geschlechtsidentität-Begrifflichkeiten. So habe ich mich nochmal informiert, es steht für: „Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, trans und agender Personen – also für all jene, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität patriarchal diskriminiert werden …“ (aus der Erklärung des Tagesspiegel-Lexikons).

Der Brunch war dann überraschend „normal“. Wobei ich den Eindruck habe, dass „normal“ heutzutage eher negativ konnotiert ist. Vielleicht ist präziser, für das was ich meine: nicht extravagant, eine äußere Facette betonend. Sondern im Gegenteil, recht entspannt und wohlig geerdet.

Das mag zum einen daran liegen, dass die Einladung von einer Freundin kam, die ich sehr schätze. Ich schätze sie vor allem für ihre offene, soziale Art. Sie fragt mich immer, wie es mir geht. Und sie ist an einer ehrlichen Antwort interessiert. So eine Person ist sie. Wegen ihr habe ich zugesagt.

Zum anderen habe ich festgestellt, dass die Menschen, denen ich dort begegnet bin, ebenso waren wie meine Freundin, oder sich wenigstens ähnlich verhielten. Weil sie nach einem Ort zum Wohlfühlen suchten und bereit waren, ihren Wohlfühlbeitrag dazu zu leisten. Denn obwohl wir uns untereinander nicht unbedingt kannten, entstanden sofort schöne, durchaus intensive Gespräche. Ich fühlte mich angenommen.

Später war ich noch mit meinem Fotografen Peter verabredet, und ich habe ihm gesagt, dass er mich auf dem Gelände abholen kann, wo der Brunch stattfand. Zwischenzeitlich hatte ich ein schlechtes Gewissen bekommen, weil Peter keinem der Buchstaben-Reihe entspricht und trotzdem ein angenehmer Mensch ist. Hm, natürlich kam er auf das Gelände gestiefelt, bevor ich es zum Ausgang geschafft hatte… Zum Glück wurde das weder kommentiert noch mit befremdlichen Blicken geahndet.

Ich tue mich wirklich schwer mit diesen Räumen, die exklusiv für bestimmte Menschen ausgeschrieben sind. Ja, ich fühle mich wohler unter Frauen, da ist so eine bestimmte Energie, ein Verständnis, eine Wärme, die ich unglaublich mag und ich genieße das. Eine solche Ausstrahlung geht von Männern seltener aus. Aber wenn jemand vor meiner Tür steht und um Einlass bittet – dann brächte ich es nicht übers Herz, diesen Menschen aus Prinzip abzulehnen. Das kommt mir einfach nicht richtig vor.

Dennoch bekomme ich den Eindruck, dass durch die modernen Identitätsräume, eine neue Art Ausgrenzung entstanden ist. Damit wird meiner Meinung nach, denjenigen, von denen wir uns wünschen, dass sie dazulernen sollen, ein Raum verwehrt, in dem sie – und wir mit ihnen – neue, andere Erfahrungen machen könnten, die dringend angezeigt sind. Auch wenn es von denen, die sich benachteiligt fühlen abverlangt, stark und mutig zu sein, die Kette der Ausgrenzung nachhaltig zu unterbrechen.

Aber vielleicht ist es Werdegang einer jeden Emanzipation, sich im ersten Schritt stark abzugrenzen, um sich nach und nach dem – wie auch immer gearteten – Gegenüber wieder anzunähern. Bei dem Begriff FLINTA* ist mir nämlich aufgefallen, dass er den Kreis von „Frau“ immer mehr erweitert, in dem er Menschen einschließt, die eine Stimme bekommen möchten. Und ich frage mich, wann wir letztendlich wieder ankommen werden, alle damit zu meinen.

Mit Peter hatte ich noch gewitzelt, was mit den weißen Männern wird, die keinen Machtanspruch haben. Könnten sie – vielleicht nicht die nächsten, vielleicht nicht die übernächsten, aber doch – vielleicht die überübernächsten sein, die sich in diese Buchstaben-Folge einordnen ließen?!

Dazu spielt: „Sail along“

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