Da denkt mensch, in der modernen Zeit gäbe es mehr Freiheiten für die Einzelne und den Einzelnen. Der eigene Wille, eigene Vorstellungen könnten sich viel besser entfalten. Aber: Pustekuchen! Stelle ich fest, seit ich begonnen habe, den Laptop, den ich mir zum Jahreswechsel angeschafft habe, einzurichten. Ich rede hier nicht von technischen Herausforderungen, denen ich unvermögend gegenübersitze. Die Oberflächen sind inzwischen derart benutzerfreundlich, genaugenommen: Kinderleicht! Nicht mal lesen müsste ich, denn eine freundliche Frauenstimme begleitet diesen Prozess. Doch gibt es einen Haken bei der Sache.

Genaugenommen sind es sogar viele: Häkchen! Bereits gesetzt, warten sie nur auf meine Eingabe im Feld „Ok und weiter“. Da ist zunächst, die Notwendigkeit, den Laptop mit dem Internet zu verbinden, um ihn überhaupt zu starten und damit arbeiten zu können. Da ist der Zwang zur Registrierung bei der Firma, von der ich das Gerät gekauft habe. Die Verknüpfung mit mindestens einem Email-Konto ist unerlässlich. Noch besser wäre, meine Telefonnummer einzugeben, aber immerhin kann ich das erstmal „Überspringen“. Alles zu meinem Komfort und meiner Sicherheit, wie die nette Stimme immer wieder betont, in den Erklärungen darunter nachgelesen werden kann.

Anschließend weist mich ein Virenprogramm darauf hin, dass sich der Laptop in Gefahr befindet, und ich nach dem kostenlosen Probemonat unbedingt verlängern soll. Am Anfang waren es neutrale Hinweise, als ich nicht reagiere, wird es eindringlicher: Wenn du nicht unseren Schutz in Anspruch nimmst, werden Hacker über deinen Rechner herfallen. Bist du so dumm und willst dieses Risiko akzeptieren? So, nun habe ich schon mindestens einmal vom vorgegebenen Häkchen: Nein, wer will schon so dumm sein. – geklickt auf: Ja, bin leider komplett blöde. Trotzdem fragt das geduldige Programm weiter nach, selbst, nachdem das integrierte Test-Abo abgelaufen ist. Nächste Herausforderung: Die Stelle finden, an der ich diesem Programm gänzlich den Gar ausmachen kann.

Jetzt hat sich das Fotobearbeitungsprogramm gemeldet. Zu leichtsinnig hatte ich einem Update zugestimmt. Ich lese: Wir haben das jetzt so eingestellt, dass wir deine Daten analysieren und sammeln. Kleiner darunter: Es ist ja zu deinem Besten. Du kannst diese Einstellung deaktivieren. Gehe dazu auf… hatte ich doch vorhin noch irgendwo gelesen. Aber nichts dergleichen ist mehr zu finden. Entweder dieser Punkt wurde abgeschafft oder es war eine rein rhetorische Frage.

Ständig muss ich widersprechen, und mich nebenbei darüber echauffieren, dass ich bevormundet werde. Grundsätzlich macht mir das nichts aus: Ich gebe gern Kontra, ich diskutiere gern. Nur ist an dieser Stelle eine Diskussion weder erwünscht noch überhaupt möglich. Auf die ein oder andere genervte Mail, die ich im Zuge solcher Art Voreinstellungen an die Kunden-Center dieser Welt verfasst habe, bekomme ich gar keine Antwort. Höchstens eine standardisierte: „Danke, dass Sie sich an uns wenden. Wir kümmern uns darum, falls wir einen Fehler in unseren Abläufen finden können.“

Ich fühle mich unverstanden. Gehöre ich zu einer wachsenden Minderheit, derjenigen, die selbständig denken möchten?

Inzwischen habe ich mich eingepegelt zwischen Kompromiss und Resignation. Denn – so scheint es – wenn ich mich nicht selbst ausgrenzen möchte aus dem technisch-virtuellen Geschehen, muss ich dem Affen etwas Zucker geben. Insgesamt plane ich mehr Zeit ein, um mich durch die Häkchen-Armeen behutsam zu klicken und versteckte Auswege zu finden. Und wenn es gar zu absurd wird, mache ich mir Luft mit einer fundierten Mecker-Anfrage. Vielleicht hat ja doch mal jemand Interesse auf mich und mein Anliegen einzugehen.

Dazu spielt: „Astronaut“

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