Als Teenager wollte ich mir unbedingt die Brüste operieren lassen, wenn ich volljährig wäre. Sie erschienen mir nicht formschön genug und ich war überzeugt, dass das eine der ersten Amtshandlungen als erwachsene Frau sein würde. Eventuell auch etwas später, wenn ich genügend Geld verdienen würde. Jedenfalls in dem Wissen, dass früher oder später ausreichend Geld auf meinem Konto sein würde für eine lebensverändernde Brust-OP.

Nachdem die Jahre ins Land gingen, ist diese Idee verblasst. Das lag wohl zum einen daran, dass ich aufgehört hatte, mir ein Leben mit formschöneren Brüsten auszumalen. Andere Dinge waren vordergründiger. Zum anderen musste ich feststellen, dass Männer überhaupt kein Problem hatten mit meinen Brüsten. Und so gab ich mich irgendwann selbst damit zufrieden.

Ich glaube, in der Art verhält es sich mit vielen Veränderungswünschen in meinem Leben. Total überzeugt verkünde ich eine Zeitlang meine großen Pläne jederfrau und jedermann. Werde ich irgendwann später daran erinnert, winke ich ab: Ja, stimmt, hatte ich mal erzählt, aber nein, war dann doch nicht so wichtig… So wollte ich zum Beispiel in die Kirche eintreten, als ich für die Diakonie tätig war, aus Loyalität meinem Arbeitgeber gegenüber. Irgendwann habe ich diverse Fallstricke mit der Einrichtung verspürt und es blieb beim bloßen Lippen-Bekenntnis.

Ich wollte auch mal nach Irland auswandern, vor allem, weil ich meinen Mitmenschen zeigen wollte, dass ich ihnen fehlen würde. Aber dann hat sich das doch nicht ergeben. Denn der irische Mann, in den ich mich verliebt hatte und zu dem ich hätte ziehen wollen, wollte das nicht. So einfach ist das. Veränderungen kann man machen, muss man aber nicht. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich in Deutschland geblieben bin, bei den Menschen, die mir nahe waren und sind. Meinen Freunden hatte ich natürlich trotzdem erzählt, was ich damit eigentlich bezwecken wollte. Dann haben sie erleichtert geguckt, dass ich nicht weggezogen bin. Und das war der Genugtuung genug.

Selbst von außen erzwungene Veränderungen führen selten zu mir. So lebe ich in einem sanierungsbedürftigen Haus. Vor einigen Jahren gab es Bemühungen, eine Sanierung durchzuführen, die eine immense Mieterhöhung zur Folge gehabt und mich vermutlich zu einem Umzug genötigt hätte. Aber dann wurde doch nicht saniert. Eine Freundin, zu der Zeit, die in einer schönen, frisch sanierten Wohnung wohnte und gar nicht damit rechnete, musste unterdessen umziehen, weil die Besitzerin der Wohnung plötzlich Eigenbedarf angemeldet hatte. Aber ich in meiner – in der Tat sehr charmanten, aber – stark sanierungsbedürftigen Wohnung, bin schon seit Jahren überfällig. (Und ich klopfe auf Holz, das darf gern weiter so bleiben!)

Veränderungen sehe ich in der Regel zu. Das macht durchaus Spaß. Zum Beispiel wenn ich höre, dass eine Freundin mit Anfang 40 noch ein Kind bekommt. Dann kribbelt es in meinem Körper. Ich weiß, sie hat sich das ewig gewünscht und endlich wird ihr Wunsch erfüllt bzw. sie erfüllt sich diesen Wunsch. Und ein bisschen bin ich traurig darüber, dass solche Veränderungen nicht in meinem Leben passieren.

Aber ich gebe zu, ich mache es Veränderungen auch nicht leicht. Soll mal eine kommen und bleiben! Ich habe ein gutes Veränderungsabwehr-System und immerhin habe ich die große Veränderung gehabt, Musikerin zu werden. Das ist schon länger her, vielleicht zehre ich noch davon. Daran erinnern mich dann Freunde und Bekannte, die meinen Werdegang kommentieren, mir gratulieren zum Mut, diesen Weg eingeschlagen zu haben und dran geblieben zu sein.

Dieser Tage plane ich mein neues Record Release Konzert für das gerade veröffentlichte Album „Knallwach“ und den Vorgänger „Wellblechreiten“. Ich erinnere mich an das letzte: das war zum Album „Señorita“ und ist schon vier Jahre her, dazwischen war ja Pandemie… Und ja! Da sehe ich schon, was sich getan hat. Ich habe mich professionalisiert. Ich nehme meine Arbeit ernst, bin routinierter und souveräner geworden. Und ich darf mit echten Profi-Musikern zusammenarbeiten. Wow!

Manchmal träume ich noch von großen Veränderungen… Momentan ist das Freitag, der 24. Juni. Ich hoffe, ihr kommt alle in den Privatclub in Berlin-Kreuzberg, zu meinem großen Konzert, das alles verändern wird. Mindestens einen Abend lang!

Dazu spielt: Das Leben ist

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