Wenn ich außerhalb von Berlin unterwegs bin, dann beschränkt sich das in der Regel aufs Umland… Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt… vielleicht mal Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Ihr seht schon, alles ostdeutsche Bundesländer!

Das hat vor allem mit der Entfernung zu tun, die großen Städte warten ja nicht direkt „hinter der Grenze“ auf mich, sondern ich muss ein ganzes Stück fahren. Das heißt, ich kann dann nicht einfach abends kurzfristig nach Hause, wie ich es gern mache, sondern brauche eine Übernachtungsmöglichkeit. Außerdem sollten es dann mehrere aneinandergereihte Termine sein, was sich allgemein hin auch „Tour“ nennt, damit sich das ganze lohnt… Diese Orga-Tätigkeit ist nicht meine Stärke… Zuletzt habe ich festgestellt, dass mich Aufenthalte in Unterkünften und Hotels nicht begeistern. Ich brauche kein Betthupferl auf dem Kissen des anonymen Hotel-Betts, sondern schätze ein ausgiebiges Gespräch mit meinen Gastgebern vor dem Schlafengehen…

Gemäß diesen Prämissen war ich dann entsprechend stolz, eine kleine „Tour“ zusammengestellt zu haben, die allen meinen Anforderungen gerecht werden konnte. Ausgehend von einem sicheren Hafen – dem Café Libre in Höhr-Grenzhausen, wo ich bereits einmal zu Gast war und wusste, dass das dufte wird, sowie einem ebenso angenehmen Spielort in Chemnitz – dem Inspire, habe ich noch das Wochenende davor in Bonn mit einem Besuch bei einer Freundin kombiniert. Dort habe ich für abends zwei neue Spielgelegenheiten zum Testen ausgemacht, das Banks van Liz in Bonn und in Köln habe ich einen Gig in der A&O-Hostel-Lounge von einem Musiker vermittelt bekommen.

Für die Hinfahrt am Freitag nach Bonn hatte ich mir außerdem noch eine Zwischenstation vorgenommen: Hannover! um einen Freund, der dort in der Gegend wohnt wiederzusehen. Wir hatten vorher geschaut, was nahe an der Autobahn liegt und für ihn gut erreichbar wäre, so wollte ich die Mittagspause gleich nutzen. Empfehlung geht raus für dem Snack-Factory direkt an der Station Langenhagen Mitte, wir hatten eine gute Zeit! Die Weiterfahrt nach Bonn war mühsamer mit einigen Staus, aber es hat alles gut geklappt!

Kurz ankommen, meine Freundin einladen und dann ging es gleich weiter zum ersten Spielort nach Bonn in die Innenstadt. Ich hatte schon so ein Gefühl… also, wusste dass das Ganze ein kleines Abenteuer wird, da ich den Termin recht kurzfristig ausgemacht hatte, kaum Zeit für Werbung war, und auch die Gastgeberin ziemlich viel um die Ohren hatte. Aber Liz sagte: Wir machen das auf jeden Fall :-D Wir kamen an und da stand auf dem Plakat der 31.1., es war aber Freitag der 30.1. Kein Problem, das wurde vor Ort gleich geändert und auf Instagram hatte sie auch den richtigen Termin kommuniziert. Dann kam ein junger Mann rein, der meinte, dass er heute dort spielen würde… Haha, wir haben uns geeinigt und anschließend habe ich ein kleines Set gespielt, in dieser freundlichen, kreativen Bar. Meine Freundin und ich hatten eine gute Zeit!

Am Samstag verbrachte ich einen schönen Tag in Bonn und spielte abends die Lounge-Musik. Sowas habe ich schon ab und an gemacht und schaue dann immer, ob ich ein oder zwei Gesichter greifen kann, sonst ziehe ich mich in mich zurück und spiele mein Programm runter.

Auf Höhr-Grenzhausen habe ich mich dann wieder sehr gefreut, weil ich beim ersten Mal dort im Dezember 2024 bereits einen ganz wunderbaren Konzertnachmittag verbringen durfte. Mein zweites Mal war auch ganz bezaubernd! Im Nachgang saß ich mit einigen Gästen und spielte zwei Zugaben, die ich mit dem Osten verbinde und hab im Spaß gesagt, dass ich ja etwas Aufklärungsarbeit leisten müsse und mit einigen Dingen aufräumen müsste: Dass zum Beispiel „Über sieben Brücken“ nicht von Peter Maffay sei, sondern von Karat. Ich ärger mich manchmal über mich, welche Stereotype ich da aus dem Hut zaubere, ohne, dass ich sie jemals selbst wirklich gefühlt hätte. Ich spiele mit Vorurteilen, die ich nicht habe und plötzlich verkörpere ich sie trotzdem… Am nächsten Tag gab es dann noch ein ausgiebiges Frühstück mit Susi und Fernando vom Café Libre. Das war sehr bereichernd – Menschen zu begegnen, die das Herz am richtigen Fleck haben und die Normen hinterfragen und sozial sind. Das mag ich einfach und ich denke dann: Wenn es ja anscheinend doch nicht so wenige Menschen gibt, die die Welt in diesem Sinne besser machen, dann besteht doch Hoffnung für unser Miteinander und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt!

Krönender Abschluss fand dann im Osten statt, in der ehemaligen Karl-Marx-Stadt. Das war richtig cool! Ich war gelöst, weil ich nach diesen Reisetagen mit dem Live-Spielen, viel unter Menschen sein, auch leicht drüber war. Aber erstens sind Gäste erschienen trotz ÖPNV-Streiks, zweitens ist das Inspire echt besonders, weil dort viel Engagement von verschiedenen Leuten zusammenkommt und es ein Ort ist, wo Mensch sein darf. Drittens mochte das Publikum meinen Humor und wir hatten eine gute, unterhaltsame Zeit!

Leute, vier intensive Tage und es fühlt sich reich und dicht und dick an und ich war dann auch froh, wieder in meinem vertrauten Berlin angekommen zu sein. Was ich vermisse, ist die Wärme! In Bonn waren es 6 Grad, in Höhr-Grenzhausen immerhin noch 3 oder 4. Chemnitz bot dann einen winterlichen Vorgeschmack. Jetzt grüße ich euch, warm verpackt aus meiner Altbau-Wohnung mit Ofenheizung im eisigen Berlin.

Titelfoto: Anna Kroning

Dazu spielt „Sail Along“


… aber, oder, und… – Schreib mir gern deine Gedanken und Erfahrungen: info@janaberwig.de