Vor einer Woche bin ich nachts aufgewacht mit dem dringenden Bedürfnis eine Entscheidung in einer Sache treffen zu müssen. Mit den nächtlichen Impulsen verhält es sich so, dass diese im Tageslicht gar nicht mehr unbedingt dringend erscheinen. Allerdings war das nicht das erste Mal, dass ich wegen dieser Angelegenheit „heimgesucht“ wurde. Nichts großes, es geht da um ein ehrenamtliches Engagement, mit dem ich schon länger hadere. Aber krass trotzdem, wie sich das seinen Weg nach draußen sucht und meine stoische Haltung dazu, aufzubrechen versucht.

Zum Glück sind sowas Ausnahmen. Inzwischen habe ich mein Leben so aufgebaut, dass ich Entscheidungen sehr klar und aus dem Bauch heraus treffe. Wenn ich zu lange über etwas nachdenken muss – es zu sehr in meinem Kopf ist – weiß ich, dass ich es nicht machen sollte.

Das war ein langer Prozess. Ich bin früher oft -falsche- Kompromisse eingegangen. Weil mich andere überredet haben, meinten, etwas wäre gut für mich. Weil die Entscheidungen für etwas an bestimmte Erwartungen geknüpft war, dass etwas mir weiter helfen würde auf einem Weg, in meinem Leben. Oder weil, ich es anderen recht machen, etwas ausschließlich für andere tun wollte. Das hat dann dazu geführt, dass ich anschließend oft dachte: Hat mich vor allem Nerven und Zeit gekostet. Hätte ich mir sparen können. Habe ich doch eigentlich gewusst, dass es nichts für mich ist…

Gerade weiß eine Freundin nicht, wie es beruflich für sie weitergeht. Ich kann ihr keinen Rat geben. Im Grunde weiß ja ein Mensch selbst am besten was für sie oder ihn richtig ist. Die Impulse, oder Ratschläge, oder Kommentare von Außen können im besten Fall die innere Stimme nähren, die sich noch nicht traut, laut und klar zu sprechen. Oder sie stärkt sich im Widersprechen: Nein, ich weiß es doch eigentlich ganz genau, dass ich es so nicht möchte, zickt sie dann. Manche Entscheidungen brauchen einfach Zeit. Vielleicht meinen wir auch, wir hätten es gar nicht selbst in der Hand, sondern andere. Jedenfalls kann deren Entscheidung, unsere eigene beeinflussen. „Es wird sich fügen“, sagen wir dann.

Es geht auch anders herum: Wir denken, wir sollten eine Entscheidung treffen, weil wir sie an die Maßstäben dieser Gesellschaft anlegen und denken: das passt nicht in das Wertesystem oder in ein Effizienzdenken – also weg damit! Das geschieht nicht unbedingt bewusst. Wir spüren nur einen Widerstand, gar einen inneren Kampf. Wir haben das Gefühl, uns rechtfertigen zu müssen vor anderen. Aber letztendlich sind wir es, die mit unserer Entscheidung leben müssen. Auch ein sich nicht entscheiden, kann dann eine Entscheidung sein.

Ich weiß noch, wie das war als ich mich mit meiner beruflichen Zukunft auseinandersetzen sollte. Nach dem Abi war ich komplett orientierungslos. Zukunft?! Woher sollte ich wissen mit 19, wie die aussehen soll… Hatte dann BWL bei der ZVS (zentrale Vergabestelle von Studienplätzen wie es damals hieß und lief) angegeben, weil ein Teil von mir sagte: ich möchte was zielführendes tun und schnell Geld verdienen. Der andere Teil von mir… hatte dann noch eine Freundin, die in Berlin an der Humboldt-Universität studierte, gefragt, ob sie mir die Antragsunterlagen der Uni mitbringen könnte. So hatte ich mich dort auf ein geisteswissenschaftliches Studium beworben. Ich kann mich noch gut an das verdatterte Gesicht meiner Eltern erinnern, als ich verkündete, dass ich nach Berlin ziehen werde. Und selbst für mich war diese Entscheidung überraschend. Nach wie vor bin ich überrascht, wo ich mit dieser Art Entscheidungen zu treffen, im Leben angekommen bin.


Dazu spielt: