Ich bin froh, dass ich Nachdenken und Sinnieren zu meinem Beruf gemacht habe. Es verschafft mir die Möglichkeit das Leben ganz bewusst wahrzunehmen und zu reflektieren. Ich nehme mir gern Zeit dafür.

Mich beschäftigen viele Fragen und ich kann die meisten nicht abschließend beantworten. Zum Beispiel ob es richtig ist, so kleinteilig und freigeistig zu leben wie ich? Warum bin ich noch nicht in die Beziehung-/ Familienfalle getappt? Warum habe ich nicht das Bedürfnis nach einem festen Job, auch wenn der Weg der Musik nicht immer einfach ist und viel im Hier und Jetzt stattfindet.

Und während ich nebenbei auf Facebook scrolle, werde ich „mal wieder“ über die neuesten Bedrohungen der Menschheit informiert. Der Regenwald brennt. Mich durchfährt ein Schauer, mal wieder. Natürlich sind in diesen Berichten Schuldzuweisungen gleich an zweiter Stelle, an dritter Stelle geht es um die möglichen Auswirkungen des Weltklimas. Na und ich denke, sollten wir nicht hinfahren und löschen? Ist natürlich genauso Quatsch. Aber eins bleibt sicher, alle schauen nur zu. Alle lassen das alles zu. Es ist ja nur ein kleiner Ausschnitt für das große ganze Zulassen. Hat es damit zu tun, das wir als Menschen erst eine Konsequenz am eigenen Leib spüren müssen, um uns bewusst zu werden. Oder haben wir einfach schon aufgegeben und können uns eine Zukunft genauso wenig vorstellen wie den Tod? Woher kommt diese Mischung aus Bequemlichkeit und Ohnmacht?

O.K. Nach kurzer Panik, folgt im nächsten Moment die Ablenkung. Nach der Aussicht auf das sichere Ende, finde ich mich im nächsten Moment in meinem Zimmer. Ich bin wieder bei mir und in meinen Gedanken. Und mir fällt ein, wie das damals war… Sicher nicht der einzige Grund, aber auf jeden Fall wichtiger Auslöser, mich für das Leben als Liedermacherin zu entscheiden.

Es war das Reaktor Unglück von Fukushima im März 2011. Ich weiß noch genau wie mich das damals berührt hat und es hat eine Überlegung in Gang gebracht. Was… wenn die ganze Bequemlichkeit wegfällt, ich meine Wasser, Strom, Obdach… wir nicht wissen, was der nächste Tag bringt, woher man was zu essen kriegt. Und im nächsten Schritt… Was wäre in einer solchen Welt meine Rolle?

Ich dachte nach. Wahrscheinlich wäre ich die, die den anderen Mut zusprechen würde: Wir schaffen das, nicht aufgeben, auch wenn es nicht einfach ist und wir nicht wissen, wie es weitergeht. Und abends sitzen wir zusammen mit den Übriggebliebenen am Feuer. Vielleicht gibt es eine Gitarre oder vielleicht ist da auch nur die Stimme – die klar und warm die Menschen einhüllt in die bittersüße Hoffnung des Lebens.

Mein Song zum Thema:  „This is not the end“, erschienen auf dem aktuellen Album Señorita