Ich habe nichts gepostet, mich nicht öffentlich entschuldigt, dass ich aus diesem und jenem Grund nicht teilnehmen kann. Ich habe auch nicht andere Leute ermutigt hinzugehen. Ich war einfach nicht da.

Letzten Freitag Morgen in Berlin. Bei der alltäglichen Internet-Lektüre fällt mir auf, dass dieser Termin in aller Munde ist. Eine wichtige Sache also, à la: „Wenn nicht jetzt, wann dann.“, „Nicht hätte, wollte – Machen!“ … klingt es noch in meinem Hirn nach. Stattdessen treffe ich eine Freundin zum späten Frühstück. Wir stellen fest, dass wir beide nicht auf der Klima-Demo sind und diskutieren darüber. Ich sehe mich in Sippenhaft, mich schuldig fühlen zu müssen, ist ja eine gute Sache und wichtig… Sie ist da entspannter.

Am Nachmittag möchte ich ihr schreiben und sie fragen, was nochmal meine Ausrede(n) sein könnte(n). Ich denke daran, eine Liste zu erstellen. Vertretbare und nicht vertretbare Begründungen nicht an der Demo teilgenommen zu haben. Vertretbar: Ich habe einen Baum gepflanzt, ich bin Fahrrad gefahren… Nicht vertretbar: Ich habe einen Flug nach Köln gebucht, ich bin tanken gefahren… Es sollte auf jeden Fall noch eine „neutrale“ Kategorie geben: Ich war Frust-Saufen, weil ich nicht weiß, wie die Umwelt-Probleme zu lösen sind. Ich war krank (geht immer). Mein Chef hat mich nicht von Arbeit freigestellt (weil…).

Solche Aufrufe und Demonstrationen sind ein wichtiges Signal und Ansatz, damit ein Wir-Gefühl, ein gemeinsames Bewusstsein entsteht und wächst. Schließlich sind wir in der globalisierten Welt alle irgendwie miteinander verbunden. Gleichermaßen ist diese Welt so absurd-verrückt. Wenn ich höre, dass Amazon und Zalando auch mitmarschiert sind?! Konsum und Klimaschutz passen irgendwie so gar nicht zueinander. Trotzdem müssen sie heutzutage zusammen gedacht werden, anders wird es wohl nicht gehen.

Abends treffe ich noch andere Freunde. Sie waren auch nicht bei der Demo. Wir diskutieren munter weiter. Es stellt sich die Frage, wo man anfängt und wer dann mitmacht, oder wer anfängt und wo man dann mitmacht. Ich bin mir sicher, dass eine klare politische Linie helfen würde. Zum Beispiel nicht nur auf das Waldsterben woanders zu schauen und den Zeigefinger zu erheben, sondern konkret zu werden, indem man Autos aus der Stadt verbannt. Es gibt ja inzwischen genügend Möglichkeiten und Potential eines umweltbewussteren Transports in einer Stadt wie Berlin. Oder dass es eine Begrenzung geben könnte, wie viel man pro Jahr fliegen darf – nach dem Motto – Flugmeilen sammeln und wer die wenigsten hat, gewinnt. Diese Idee von einem Gast meines geselligen Abends, finde ich gar nicht schlecht.

Ich habe mal in meinem Song-Repertorie gestöbert. Einen Safe-the planet-Song habe ich nicht. Ich denke, wir als Erd-Bewohner haben viel selbst in der Hand, unser Leben und unsere Umwelt zu gestalten. Auch wenn wir keine absolute Kontrolle über Prozesse wie die der Erderwärmung haben, meiner Meinung nach. Ich würde mir einfach mehr Wertschätzung wünschen und Achtsamkeit mit uns und der Umwelt. Daher mein Song „Sail Along“ – für mehr menschliche Wärme und einen Hafen in den unübersichtlichen Wogen des Lebens-Ozeans: